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Vollständige Version anzeigen : Mein Sohn beißt mich in die Brust!


Lena2310
02.07.2009, 10:06
Hallo,

ich bin ein bisschen verzweifelt! Mein 10 Monate alter Sohn beißt mich seit 3 Tagen. Es hat damit angefangen dass er mich in die Schulter oder in den Arm gebissen hat, leider hat sich das beißen aber recht schnell auch auf die Brust ausgeweitet. Er findet es sogar richtig lustig mich in die Brust zu beißen, denn wenn ich darauf mit einem aua reagiere fängt er an zu lachen. Natürlich habe ich es schon mit „Nein das tut mir weh“ versucht, sogar schon mit aus dem Zimmer gehen und den Kleinen bei meinem Mann lassen. Das hat zur Folge dass mein Sohn anfängt bitterlich zu weinen (dann komm ich natürlich sofort wieder und tröste ihn) aber am beißen ändert es nichts.

Ich glaube nicht dass er sich abstillen will da er noch sehr oft an der Brust trinkt (vor allem in der Nacht). Ich weiß einfach nicht wie ich ihm das beißen wieder abgewöhnen kann und warum er es macht.

Vielen Dank im Voraus für euren Rat

LG Lena

Lucie Gräbe
16.07.2009, 09:01
Liebe Lena,
ich antworte als Pikler-Kleinkindpädagogin und möchte auch darauf hinweisen, dass Sie bei meinen Kolleginnen in den Pikler-SpielRäumen (siehe unter www.pikler-hengstenberg.at ) eine noch persönlichere Begleitung bei Ihrem Thema finden können. Hier sind ein paar Grundinformationen zum Beißen:
Sie haben mit der Überlegung recht, dass ihr Sohn damit vielleicht auch sagen will "jetzt kommt die Zeit, mich vom gestillt werden als Baby verabschieden zu wollen". Wie abrupt oder gemächlich diese Entwicklung verläuft, ist verschieden. In ihrer Situation kann es stimmig sein, vom häufigen Stillen in der Nacht, auf andere Nahrung tagsüber mehr und mehr umzustellen. Dabei werden Sie sicher auch damit konfrontiert, wie ihr Sohn lernt, ohne Busen immer wieder selbständig einschlafen zu lernen und wie Sie ihn dabei auch beim Weinen gut begleiten können, ohne ihn gleich mit dem Busen "abzulenken". Wenn das nachts noch zu herausfordernd ist, kann der Umgang mit dem Stillen tagsüber noch bewusster geschehen, so dass manche Tränen ohne Busen, aber im Kontakt mit dem Kind, ausgeweint werden dürfen.
Wenn Kinder beißen, erleben sie ihre Selbstwirksamkeit sehr deutlich. Die Reaktionen auf das Beißen sind meistens sehr groß. Da kann eine Motivation sein, einfach kennenlernen zu wollen, wie verschieden Menschen auf mein Tun reagieren. Es geschieht also jedes Mal ein Baustein zum sozialen Lernen. Meine Empfehlung ist, nicht "groß" zu reagieren, ausser ich bin einfach ganz authentisch erschrocken und kurz laut, sondern möglichst in Ruhe und schlicht zu sagen, dass das weh tut und nicht geht. Wenn ich schon ahne, dass es kommt, gehe ich aus dem Weg, stehe auf, drehe mich zur Seite, oder tue was auch immer das Beißen unspektakulär verhindert. Dann würde ich hinfühlen, was für eine Botschaft dahinterstecken könnte: Suche nach Aufmerksamkeit und Kontakt, Müdigkeit, Unzufriedenheit und Unruhe in einer Situation...? Dann kann ich auf die Botschaft hinter dem Beißen antworten.

Das Beißen aus Aggression, weil man sich noch nicht anders zu helfen weiß, um sich zu wehren oder etwas zu "erkämpfen" ist wieder etwas anderes. Aber ihre Beschreibung klingt nicht danach.

Ich hoffe, ich konnte durch den skizzierten Rahmen des Themas etwas zur familiären Entspannung beitragen und wünsche Ihnen weiterhin viele neue Entdeckungen mit ihrem Kind!
Lucie Gräbe